Wind. Minusgrade.



Wir müssen über das Wetter reden. Zugegeben, kein wirklich originelles Thema. Aber es wird Zeit, ein paar Dinge klarzustellen.

Es ist so schrecklich kalt draußen. Und in Anbetracht der Tatsache, dass der meteorologische (ich bin immer so froh, wenn ich dieses Wort nicht aussprechen muss!) Frühlingsanfang bereits zwei Wochen zurückliegt, empfinde ich das, was gerade draußen abgeht, als eine echte Unverschämtheit.

Ich bin in einer gemäßigten Klimazone großgeworden, also meine ich auch, einen Anspruch auf geregelte Jahreszeiten zu haben.

Es gab Weihnachten keinen Schnee, höchstens Temperaturen, die zum Grillen verleiteten, also brauche ich das jetzt auch alles nicht mehr.

Die meisten Menschen gehen ja derzeit nur nach draußen, wenn es a) ihr Job verlangt oder b) sie mit ihrem Vierbeiner rausmüssen.

Und da sind wir auch schon beim Thema. Während der kleine Top-Terrorist zumeist recht unbeeindruckt ist von irgendwelchen Wetterkapriolen, kneift Fräulein Vizsla schon beim Anblick der Leine die Rute unter den Bauch. Auch für den die Vierbeiner begleitenden Menschen sind solche Ausflüge eher unerfreulich. Eingepackt wie ein Michelin-Männchen, zur Bewegungslosigkeit verdammt weil die Jacken aus den neuesten High-Tech-Fasern gefühlt auch schussfest sind, stelle ich immer wieder fest, dass ich für das Abenteurerleben einer Nordpolexpedition wahrlich nicht geschaffen bin.

Merkwürdigerweise erledigt sich das „ich-will-nicht-raus“-Getue des Vischeltrinchens beim Anblick „ihres“ Feldes. Noch im - durch die Standheizung wohltemperierten - Kofferraum geht das übliche Gejaule los. Herr Terrier, im Fußraum nun wirklich NICHTS sehend, stimmt ein. Hysterisch, wie immer schrill, in der Tonlage ähnlich dem Geräusch von Kreide auf Tafel oder dem drittplatzierten bei DSDS 2003.

Parken, aussteigen, beim Ausrutschen auf der ersten gefrorenen Pfütze immer an die B-Note denken, um nicht konkurrenzlos den Preis für das peinlichste Erlebnis der Woche zu kassieren, die Viecher rauslassen und los geht´s.

Als wären es mediterrane Gegebenheiten rennt das Bernsteinauge los. Elegant, schnell und begeistert. Herr Terrier, mein Captain Dreibein, lässt es lieber moderat angehen.

Der seine Hunde liebende Mensch erfreut sich an der Lebensfreude des ungarischen Jagdhundes. Auf jeden Fall die ersten drei Minuten… bis ihm wieder einfällt, warum es bei solchen Temperaturen am Kamin schöner ist.

Und was fällt immer auf an solchen Tagen? Richtig: du bist allein auf weiter Flur! Keine bummelnden Rentner, keine wildgewordenen E-Biker, die alles an ihrem Rad haben außer einer Klingel, keine äußerst gequält guckenden weil zum Spaziergang gezwungenen Kinder, keine schnatternden Hausfrauen, die sich zum "Sport" getroffen haben… nichts. Niemand!

Wo sind sie alle? Die, die „frische Luft“ pausenlos predigen, die mit ihren Stöcken immer noch von jedem Hundehalter überholt werden… kurz gesagt: all die, die mir und meinen Hunden das Leben schwer machen bei schönem Wetter!

Ich plädiere dafür, dass nur noch Menschen, die bei Wind und Wetter draußen sind, auch bei Sonne und zweistelligen Temperaturen ein Anrecht auf die Feld- und Waldwege von Hundebesitzern haben.

Diese Schönwettergänger sollen doch da bleiben, wo sie sich bei dem leisesten Lüftchen auch aufhalten: in den Einkaufspassagen, zu Hause oder im Café.

Sie müssen nicht beim ersten Sonnenstrahl und null Wind plötzlich die Auslaufwege der Hunde blockieren.

Da stelle ich demnächst Schilder auf „Reserviert für…“. Und ich bin mir sicher, dass ich im Recht bin.