Welches Tier passt zu mir?


Welches Tier passt zu mir?

Ihr kennt das alle: der Tageszeitung eurer Wahl liegt einmal in der Woche ein Fernsehmagazin bei. Üblicherweise, ich gestehe es, landet das gute Stück bei mir gleich in der blauen Tonne. Als Abonnentin einer TV-Zeitung brauche ich das höchstens mal für mein Horoskop.
So auch am Freitag. Zeitung gelesen, Fernsehbeilage mit geübtem Wurf in die Rundablage befördert.
Mooooment!
Noch im Flug sehe ich Lassie auf der Titelseite. Na ja, irgendeinen Collie jedenfalls. Aufmacherthema ist: „Tiere, unsere lieben Begleiter“.
DAS musste ich natürlich lesen.
Aus dem Papierkorb gefischt und gleich mal geblättert. Kurzer Text plus Analyse, welches Tier denn wohl zu mir passt.
Ich beginne mit dem Text und verschlucke mich bereits beim ersten Satz an meinem Kaffee: “Ein Leben ohne Hund, der einen beim Heimkommen sehnsüchtig bellend begrüßt… ist für viele Menschen kaum vorstellbar.“
Sofort frage ich mich, ob der Autor jemals einen Hund besessen hat. Ich korrigiere mich: ob er jemals einen Ochsen besessen hat.
Bruno bellt nicht sehnsüchtig! Er ist sauer!
Meistens granatensauer. Weil er nicht mitdurfte. Weil es so ewig gedauert hat, nur eben einen Liter Milch zu kaufen. Weil er sich jetzt gerade gelangweilt hat. Weil nicht er den Zeitpunkt bestimmt hat, an dem jemand sein Haus verlassen durfte.
Und Neele springt erleichtert. Ebenfalls weit weg von sehnsüchtig. Sie macht auf Skippy, weil sie bereits in der dritten Minute des Alleinseins über Verhungern nachgedacht hat. Weil sie davon ausgeht, dass es jetzt und sofort was gibt. Und weil sie die erste sein will beim „ja-ich-freu-mich-auch-gekrault-werden“.
Nun gut. Ich lese weiter, großzügig bereit, dem Verfasser dieser Zeilen seine Textschwäche zu verzeihen.
Den Satz „Heimtiere sind als Sozialpartner sehr wichtig“ kann ich für mich noch so gerade in die richtige Richtung biegen. Nicht so, wie es der Autor gemeint hat, aber immerhin kann ich sagen, dass ich euch alle nie „kennengelernt“ hätte ohne Herrn Terrier und Fräulein Vizsla.
Aber dann kommt der Kracher… jedenfalls aus meiner Sicht. Hier nun versagt der Schreiber leider komplett.
„… Sie schenken Wärme und Zuneigung und führen oft auch zu neuen Kontakten mit anderen Menschen“.
Äh… das jetzt finde ich ja nun ähnlich überlegt und differenziert wie die Tweets meines Lieblingspräsidenten.
Wen, bitte, habe ich als NEUEN Kontakt?
Gut, Brunos Friseurin und den Tierpsychologen kannte ich in meiner Vor-Terriator-Zeit noch nicht. Mir aber fällt viel mehr ein, wer so alles NICHT MEHR zu uns kommen möchte, seitdem der kleine Schienbeinbeißer in unserem Haus lebt. Bruno, der bei jedem neuen Kontakt regelmäßig Herz und Hirn ausschaltet und lieber Lautstärke sprechen lässt. Der bereit ist, sich, seine kleine autistische Welt, seine Neele und seine Menschen bis aufs Blut (leider im wahrsten Sinne des Wortes) zu verteidigen, wo es eigentlich nichts zu verteidigen gibt. Für den man sich mehr entschuldigen muss als für Töchter, die 19jährig die Schule abbrechen, um mit dschungelerprobten (na ja) Pleite-Barden in Florida Herrn Pocher zu reizen. 

Lieber Autor,
Sie kennen den Earl nicht.
Ich lade Sie aber ein, mein nächster „neuer Kontakt“ zu werden. „Wärme und Zuneigung“ eines Terriators gepaart mit der Freude, die er Menschen schenkt, kennenzulernen.
Die Trine natürlich auch, die Ihnen alles überlässt, nur nicht den gemütlichsten Platz auf dem Sofa und noch weniger die Keksdose.

Und bis Sie dann bei uns am Kaffeetisch sitzen (für Sie würde ich backen, ehrlich!), studiere ich noch ein bisschen die Folgeseite Ihres Artikels. Irgendwie bleibe ich hier beim Meerschweinchen hängen.
„Gesellig und problemlos“ lese ich da.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
In meinem nächsten Leben.
Und dann schreiben wir zusammen Ihren nächsten Aufmacher zum Thema „Tiere – unsere lieben Begleiter“!