Weihnachtspäckchen


Ein Päckchen!! Ein P Ä C K C H E N !!!!!

Manchmal frage ich mich, ob es bei anderen Menschen gesitteter abläuft als bei uns. Ob nur wir mit zwei dermaßen irren Ochsen gesegnet sind.
Aber wie immer: der Reihe nach!
Am Samstag haben es der beste aller Ehemänner und ich tatsächlich mal geschafft, ein bisschen Zeit abzuzwacken und einen kleinen Stadtbummel zu machen. Ohne Liste der noch zu erledigenden Dinge, ohne Hintergedanken (ja, ich gestehe, meinerseits), dass eventuell noch eine klitzekleine Kleinigkeit für die Hunde angeschafft werden könnte, ohne jegliche Hektik. Schön war´s.
Wieder zu Hause angekommen, mussten wir feststellen, dass der Paketbote einen Zettel in unserem Briefkasten hinterlassen hatte. Oh ha. Ich malte mir aus, beim wievielten Klingeln Bruno wohl am liebsten durch die Scheiben gegangen wäre. Situationen wie diese sind bei ihm ja ähnlich beliebt wie bei mir am Heiligabend um 19:00 Uhr die Feststellung, dass unser Raclettegerät defekt ist.

Wir rätselten, welche Lieferung wir wohl verpasst haben könnten. Die einzige noch offene Bestellung war aber so groß, dass wir uns nicht vorstellen konnten, dass der „normale“ Bote sie bringen wird. Nicht hilfreich war auch die Tatsache, dass man nur unseren Nachnamen auf den Schein geschrieben hatte, wir also nicht drauf kommen konnten, WER von uns wohl etwas bestellt (und offensichtlich vergessen) hatte. Alle Rätselei war auch müßig… die Karte besagte, dass das Paket am Montag in der nächsten Postfiliale für uns bereit liegt.
Der beste aller Ehermänner erklärte sich bereit, am Wochenanfang diesen Gang anzutreten. Und das ist kein Spaß in der Vorweihnachtszeit. Jeder, der wie wir nicht in einer Großstadt, sondern eher dörflich wohnt, weiß, wovon ich spreche. Wir reden hier nicht von einer Postfiliale mit mindestens 10 Schaltern, die mit Postprofis besetzt sind. Nein, wir reden von diesen herrlichen kleinen Läden, die neben meinen Zigaretten auch Glitzersticker, Lottoscheine, das Goldene Blatt, herrlich altmodisches Geschenkpapier, ein wenig Playmobil und Panini-Alben verkaufen und denen man dann irgendwann den einzigen Postschalter weit und breit aufs Auge gedrückt hat.
Sehr schnell erreichte mich dann im Büro eine WhatsApp:
„nein, nein, nein… geht gar nicht… ich war 2x bei der Post: lange Schlangen bis nach draußen“.
Oh ha. Das lief nicht gut. Und ich betete inbrünstig, dass nicht ich es war, die ein kleines Kissen (oder ähnliches Gedöns) für die beiden Spinner bestellt und das nur verdrängt hatte. Mir ist durchaus klar, dass solche Einsätze beim besten aller Ehemänner ähnlich populär sind wie die Entscheidung des Time Magazines, Greta Thunberg zur Person des Jahres zu küren.
Nun gut, all das war jetzt nicht zu ändern. Um kurz vor zwei (ja, hier gibt es noch eine satte Mittagspause!) wurde dann Vollzug gemeldet. Es hätten zwar schon 4 Leute mit ihm an der Tür gekratzt, aber das Päckchen war zu Hause.
Und es kam, wie es kommen musste: es war an die Hunde adressiert!
Göttergatte nahm es mit Humor und schrieb „ich habe es TROTZDEM mitgenommen.
Mein Blick hingegen fiel sofort auf den Absender. Und dieser Blick bescherte mir das unbändige Verlangen nach einem frühen Feierabend! Das konnte nur ein riesiges Vergnügen werden. Ich wusste schlagartig, dass vor allem Bruno ausflippen würde vor Freude!
18:00 Uhr, endlich geschafft. Als allererstes mich in die Klamotten geschmissen, in denen man mich entweder für eine mega-hippe Fashion-Influencerin oder aber für mega-asozial halten kann (egal, hundetauglich!), um mich dann gemeinsam mit den Hunden dem Päckchen zu widmen.
Dass ich fast vergessen hätte, den Herrn des Hauses zu begrüßen, sei nur am Rande erwähnt.
Schwamm drüber. Es konnte losgehen.
Päckchen genommen, der Terrier bekam die erste Schrei-Attacke!
So nicht, mein Freund. Vor dem Vergnügen steht die Arbeit. Ein erstes Foto musste her.
Das Theater beschreibe ich hier nicht näher. Nur so viel: ein Tinnitus ist ein Sch… gegen den Brüllaffen, wenn er hysterisch wird. Neele wurde schon wieder nervös. Die arme Maus ahnte, dass der Minispinner kurz davor war, sich größeren Ärger einzufangen.

Nachdem ich mich mit der Schere im Kampf gegen das Packband fast umgebracht hätte, war es endlich so weit: der Kartondeckel sprang auf und ich war… SPRACHLOS. Ein durchaus seltener Zustand, aber ich war es.
Dicht an dicht lagen die tollsten Sachen in dem Päckchen. Und als allererstes ins Auge gestochen ist mir die Weihnachtskarte der lieben Absenderin. Ein Foto ihrer beiden Terrier. Einer davon Brunos „Brother in Crime“. Die andere mit einem Blick ausgestattet, der Gletscher noch vor der Klimakatastrophe zum Schmelzen bringen kann.
Mein zweiter Blick fiel, obwohl etwas weiter unten liegend, auf etwas komisches Grünes. Im Dämmerlicht unseres Wohnzimmers dachte ich ganz kurz an unter-Wasser-mund-geklöppelte-Ton-Weihnachtsbäume… wohlwissend, dass der Päckchenpackerin eine derartige Entgleisung des guten Geschmacks nicht passieren kann. Rausgenommen. Großer Fehler! Es quietschte und ich musste lachen. Quietsche-Tannen für die Hunde. Bruno war mehr als interessiert. Auf dem Stuhl sitzend verfolgte er das Ganze ausgesprochen wachsam. Ich beschloss, mich der Reihe nach durchzuarbeiten. Und bei der offensichtlichen Masse an „Feinigkeiten“ konnte das dauern. Erholungsbäder für mich. Da hatte offenbar jemand gut hingehört in meinen letzten stressigen Wochen. Ich hätte mich sofort in eines legen können!
Feinste Schokospezereien. Jeder weiß, dass ich DAS liebe!!!!! Leugnen zwecklos.
Und dann ein kleiner Tischkalender mit Bildern, die mich schon als ich sie das allererste Mal gesehen habe, gerührt haben. Die beiden Terrier waren bei einem professionellen Fotoshooting mit einem ganz wunderbaren Ergebnis. Da hatte jemand ein gutes Auge für die Seele von zwei Hunden.
Ich hatte dieses kostbare Kleinod noch nicht ganz aus der Hand gelegt, da flippte Bruno plötzlich aus. Und ich wusste schlagartig, warum er bis jetzt für seine Verhältnisse halbwegs stillgehalten hatte!
Etwas rundes, weißes, plüschiges wartete darauf, ausgepackt zu werden. Und ich tat ihm den Gefallen. Er hatte es noch nicht ganz in der Schnauze, da wusste ich, dass wir heute noch viel „Spaß“ bekommen würden. Auch das quietschte. Und es gab zwei davon. Eins mit blauem, eins mit rosa aufgesticktem Smilie. Eine leise Ahnung beschlich mich, dass dem Terriator diese Grenzen von „das gehört Neele“ ähnlich egal sein dürften wie mir der derzeitige Firmentratsch, wer mit wem was hat!
Wieder einmal mussten wir feststellen, dass Kinder sich an Weihnachten nicht mehr freuen können als es Bruno tut, wenn er ein neues Lieblingsspielzeug hat. Der Meister raste, mit dieser Plüschkugel vor Vergnügen um die Wette quietschend, durch die ganze Bude. Über die Sessel, auf die Sofalehne, in die Snuggler und zurück. Ihm zuzusehen, war herzerwärmend. Freude pur!
Ich widmete mich weiter dem Inhalt.
Und dann wäre ich dem Spinner beinahe hinterher gerannt! Ein Armband von der kleinen Leinenmanufaktur, bei der ich meine letzte Bestellung getätigt habe. Für mich! Passend zu den Leinen und Halsbändern, die da hergestellt werden! Unfassbar schön.
Womit hatte ich das nur verdient? Es ließ sich nur damit begründen, dass die Absenderin völlig verrückt war! Noch mehr als der gemeine Terrierhalter ja ohnehin schon. So richtig, meine ich jetzt!!
Ich hab mich so wahnsinnig gefreut!!

Aber, meine liebe Bruno-Anwältin, über eines müssen wir reden: über das Verschenken von plüschigen Quitschies! Leider offenbart dieses Ding auch gerade wieder die dunklen Seiten deines Mandanten. Nähert sich jemand ihm und diesem Teil in seiner Schnauze, grummelt er. Neele hat sich schon einen gefangen, als sie nur mal gucken wollte. Wohlgemerkt mit ihrem eigenen in der Muhle. An einen Film in aller Ruhe gucken, war nicht zu denken. Es quietschte und quietschte den ganzen Abend.
Und man musste ständig hektisch rumlaufen. Hin und her. Bloß nicht in meine Nähe kommen… nicht, dass ich ihm dieses Ding abnehme. Nachdem genau das passiert war (ich habe einen kleine Moment seiner Unachtsamkeit abgepasst), war er granatensauer! Hat sich jammernd (lautstark) auf einen Esszimmerstuhl gesetzt. Beleidigt, weit weg von uns. Aber so nah, dass wir ihn auch ja hören konnten.
Um drei Uhr heute Nacht war dann seine Zeit der Rache gekommen. Man begehrte lautstark Auslass an der Terrassentür. Würdigte mich keines Blickes als ich angeschlufft kam. Ging raus, TAT SO als würde er pinkeln, um dann schnurstracks dahin zu rennen, wo das Quietschie „schlafen“ musste.
Ich sags euch: meine Nacht war vorbei!
In diesem Sinne:
Vielen, vielen Dank (auch dafür)!!! 🧡

P.S.: liebe M., schreibst du bei SO einem Päckchen noch einmal was von "KLEINER Freude machen", muss ich ernsthaft darüber nachdenken, dich einweisen zu lassen