Stellenangebote für Bruno, bitte!


Tägliche Diskussionen mit einem zeitunglesenden Hund

Geht es euch eigentlich auch so, dass ihr hin und wieder überlegt, welchen Beruf eure Vierbeiner wohl ergriffen hätten, wären sie ein Mensch geworden?
Bei mir war es mal wieder so weit.
Bei Neele bin ich da immer ganz schnell fertig. Meine Maus wäre Restaurantkritikerin geworden.
Die Betonung liegt hier auf „Restaurant“ und nicht auf „Kritikerin“. Essen, wo und wann man möchte. Currywurst oder Kaviarhäppchen. Alles unter dem Deckmäntelchen „ich muss das ja tun“. Nie mehr würde sie in den Verdacht geraten, einfach nur unfassbar gefräßig zu sein.
Bruno bereitet mir da schon mehr Kopfzerbrechen. In welchem Job könnte er tätig sein, ohne sofort rauszufliegen?
Verhaltensoriginell war er ja schon immer. Derzeit aber bin ich mir sicher: er kann nur eins werden… CHEF!
Seine Diskussionsfreude kennt momentan wieder keine Grenzen. Woran nur liegt das?
Ich kann sagen was ich will… er weiß es besser. Wenn er mich nicht gleich ignoriert. In diesen Fällen komme ich mir ja immer vor wie ein bestens getarnter Zivilfahnder, der von seiner Umwelt nicht wahrgenommen wird.
Lasse ich ihn zu viel Zeitung lesen? Darf er zu viel vor dem Laptop sitzen? Es gibt Tage, da scheint das wirklich seine Lieblingsbeschäftigung zu sein. Glaubt er, dass er deshalb zu Hause den Schlaufuß mimen darf?
Ich warte wirklich darauf, dass ich mal eine Diskussion mit ihm gewinne. Wahrscheinlich kann ich mich glücklich schätzen, wenn das zeitgleich mit der Eröffnung des Berliner Flughafens passiert.
Wer mich kennt weiß, dass ich Zeitungsleser durchaus schätze. Aber das geht mir hier langsam doch zu weit!
Starte ich mal einen Versuch, ein Mitarbeitergespräch mit ihm zu meinen Gunsten ausgehen zu lassen, muss ich schnell feststellen, dass dieses manipulative Kerlchen mich einfach nur an meinen vermeintlichen Sieg glauben lässt.
Die Quittung lässt meist nicht lange auf sicher warten. Halleluja!
Apropos: an seinen ungeduldigen Tagen macht er sich diese Mühe nicht. Da wird er sofort so schrill und laut, dass ich wohl ohnmächtig werden könnte. „Sing Hallelujah“ des trällernden Dentisten Alban hätte auf den furchtbarsten Partys der 90er keine schlimmeren Schäden in meinem Gehörgang anrichten können!
Zurück zur Berufswahl… tja, was käme für den Terriator in Frage?
Irgendwas mit Diskussions- bzw. Gesprächskultur fällt flach. Siehe oben.
Vielleicht das goldene Handwerk? Ich meine ja, dass er in der Zeitung immer besonders aufmerksam die Sonderseiten zum Thema „schöner bauen“ betrachtet.
Großmäulig genug, um es mit dem stiernackigsten Polier aufzunehmen, wäre er ja auch. Er würde sich die Butter schon nicht vom Brot nehmen lassen.
Andererseits hätten wir dann wieder das Problem des alles-besser-wissens. Kundenwünsche würde er wahrscheinlich geflissentlich übersehen. Wenn er meint, dass die Wand woanders als vorgesehen stehen muss, dann wird sie dort auch stehen, wenn er fertig ist.
Klempner vielleicht? Wird doch immer gesucht. Aber das fällt auch flach. So viel Spaß, wie der kleine Spinner mit dem Wasserschlauch in unserem Garten hat… da fällt es mir schwer, ihm da reparierende Fähigkeiten zuzuordnen.

Doch lieber „irgendwas mit Büro“. Chef. Mit einer Assistentin.
Bei dem sich die Mitarbeiter zwar im Stillen denken „bei dem stand doch die Schaukel zu nah am Baum“, die aber tun, was er möchte.
Zeitungsbranche empfehle ich ihm nicht. Neutralität ist nicht so seins.
Vielleicht dann doch dabei bleiben, was er jetzt schon am besten kann: Vorstandsvorsitzender unseres „Family-Office“.
Dem ich lieber nicht die Zeitung wegnehme, weil er sonst ungehalten wird.
Der so sauer werden kann, dass ich mir überlege, meine Ersparnisse nicht in irgendwas Chices mit vier Rädern, sondern in ein Sitzungs-Abo beim Hundepsychiater zu stecken.
Jetzt werde ich aber erstmal das W-Lan-Passwort ändern.
Nicht, dass er auf die Idee kommt, Influencer zu werden.
Mit euch als Followern. Die immer auf seiner Seite stehen würden.
Das wünsche ich mir nicht!!

 P.S. Stellenangebote für Bruno nehme ich gerne entgegen.