Mit dem kleinen Blindfisch in die Klinik


Klinikbesuch

Ihr wisst es. Bruno muss regelmäßig in die Tierklinik zur Untersuchung seiner Augen. PLL... dieses Schreckgespenst lässt uns nicht los. Oft genug habe ich an dieser Stelle meinem Zorn auf seine gewissenlosen Produzenten Luft gemacht. Diese Menschen, denen ein einfacher Gentest für knapp 100 Euro offensichtlich zu viel war. Die das hätten vermeiden können, was uns - Mensch und Hund - jetzt so viel Kummer macht.
Nun ist es aber so, wie es ist. Und wir haben in den letzten Wochen verstärkt feststellen müssen, dass der kleine Mini-Monk ganz offensichtlich immer schlechter sieht. Rennt er sonst geradezu artistisch zwischen allen Stuhlbeinen unter dem Tisch hinter seinem Ball her, findet er jetzt manchmal nicht auf Anhieb seinen Pott in der Küche und stößt sich erst mal seine vorwitzige Nase am Schrank. Auch reibt er sich verstärkt die Augen mit den Pfoten und schubbert wie bekloppt mit seinem Schädel auf dem Boden rum.
All dies macht mir Angst. Noch mehr, als ich ja ohnehin ständig habe, was ihn und seine zahlreichen gesundheitlichen Baustellen betrifft.

Heute war es wieder so weit. Der Kontrolltermin stand an. 
Ein Termin, der mich ja schon immer Tage vorher schlecht schlafen lässt und der mich mit jedem Kilometer ins benachbarte und deshalb heute feiertagsfreie Bundesland führt, gleichermaßen ängstlich wie auch immer wütender in Sachen „Produzenten“ macht.
Zu meiner Laune trug nicht gerade bei, dass ich das Ganze heute alleine wuppen musste. Hält normalerweise dbaE Bruno gewohnt ruhig fest und ich kann mich auf alle Fragen konzentrieren, die mich in den letzten Nächten so angesprungen haben, ist natürlich im Moment alles anders. Nur eine Begleitperson. Natürlich Mundschutz etc.
Ganz kurz haben wir zu Hause diskutiert, wer fahren soll. Aber GöGa hat es auf den Punkt gebracht: du hältst es doch zu Hause eh nicht aus!

Schon bei der Anfahrt auf das Gelände ahnte ich Böses. Es war voll! Rappelvoll. Nicht, dass dort sonst nichts los wäre, das kann man wirklich nicht behaupten. Der Parkplatz ist immer gut gefüllt mit Kennzeichen aus allen Himmelsrichtungen. Aber heute erschien es mir extrem. Zu allem stand auch noch die holländische Dierenambulance auf dem Hof. So etwas löst bei mir ja auch immer noch mehr Kopfkino aus, als ich es ohnehin schon habe in Bezug auf all das, was hier so behandelt wird.
Es half nichts, wir mussten rein.
Eine Anmeldung ist eigentlich schon fast immer überflüssig. Bruno meldete sich wie üblich schon vom Parkplatz aus an. Laut. Schrill. Hysterisch.
Der wunderschöne Wartebereich hier war - ebenfalls wie immer - nichts für uns. Draußen fiel heute auch flach: zu viele andere Patienten. Also wieder mal „ab ins Séparée“. Ein kleines Zimmerchen nur für uns. Dort ging es dann. Nicht wirklich gut, aber es ging. Ich habe ihm erlaubt, alles genauestens zu inspizieren (liebes Team vom Tiergesundheitszentrum Grußendorf, ich wische auch immer brav alles ab, wenn der Meister auf dem Stuhl war. Versprochen ☺).
Erstaunlich schnell ging es ins Behandlungszimmer. Und Brunhilde war nervös angesichts der ganzen Aktivitäten. Er hörte Knurren auf dem Flur, hätte am liebsten mitgemischt. Er musste sich winden und drehen. Einen glitschigen Aal hätte man besser halten können. Und ich bewunderte Herrn TA Stefan Albers. Gelassen und ruhig. Souverän. Und zu keiner Minute hatte ich das Gefühl, dass Bruno ihm auf die Nerven ging. Seine Feststellung „der Kerl hat echt Eier“ löste bei mir das erste Lachen aus, seitdem ich hier war. Ja, das hat mein Kerlchen wohl. Auf jeden Fall meint er das ja immer... Brunhilde 😉 .
Die Nachrichten waren gemischt. Brunos Augendruck halbwegs stabil. Was man von seinen Linsen allerdings nicht behaupten kann. Wie haben über Operationsmöglichkeiten gesprochen. Über meine ewige Sorge, wie der kleine Terriator mit all dem klarkommen wird. Ein Hund, der ohnehin unter Dauerstress steht, der nie gechillt ist. Dem es so furchtbar schwer fällt, mal die Kontrolle abzugeben. Der - ja, auch das muss mal gesagt werden – beißt, wenn er meint, sich nicht anders helfen zu können. Wie wird er, der kleine Autist mit den noch so vielen anderen gesundheitlichen Problemen, damit klarkommen.
Ich war dem Tierarzt so dankbar für seine Zeit, die er sich genommen hat. Wohlwissend, dass man mich gutgemeint als interessiert, aber auch durchaus als hysterisch in Bezug auf meinen kleinen Spinner bezeichnen kann, hat er mit der größten Geduld mir alles erklärt, was auf uns zukommen kann. Und ich meine auch, dass er nicht hat durchblicken lassen, dass ich wahrscheinlich heute im Ärztezimmer das Krönchen für „das Helikopterfrauchen des Tages“ aufgesetzt bekomme.

Liebes Tiergesundheitszentrum Grußendorf
es war, wenn man die Umstände mal beiseite lässt, wie immer nett bei euch!
Wir sind froh, dass wir eine so tolle Fachklinik in unserer Nähe haben.
Und dass wir noch kein Hausverbot haben. Dass es am Telefon nie heißt „ach Gott, der Top-Terrorist“. Denn das ist Bruno. Ich weiß es. Er mutiert zum Hooligan und ihr lasst euch Zeit mit ihm anstatt ihm schnell einen Maulkorb aufzuzwingen. 
Mir ist bewusst, dass es nettere Patienten gibt als einen kleinen Terriator, der sich schon im Auto die Rocker-Kutte überwirft, sobald wir Bramsches Ortsschild passiert haben.

Beim nächsten Mal wird alles besser.
Dann kann auch dbaE wieder mit rein und Bruno festhalten.
Und ich bin viel gelassener.

Vielleicht aber auch nicht.
Und wir werden trotzdem wieder sagen
Vielen Dank für alles!

P.S.: ich bin mir sicher, dass eure Hundekekse an der Anmeldung was Tolles sind. Und es tut mir auch immer leid, dass Bruno sie nie nimmt, wo sie ihm doch so lieb gereicht werden... aber so ist er halt! Nehmt es nicht persönlich 🙂

P.S. II : der Meister ist geschafft. Man schlummert auf der Terrasse