Mensch krank, Hunde glücklich



Am Wochenende hatte es mich erwischt. Freitagnachmittag ging´s los, den ganzen Samstag das Bett gehütet, am Sonntag ging es dann langsam bergauf. Wie es sich für einen guten Arbeitnehmer gehört.

Und um was macht man sich die meisten Gedanken? Richtig, ihr wisst es, um die Hunde.

Der beste aller Ehemänner war unterwegs, ich lag bewegungsunfähig rum… wer kümmert sich da um Herrn Terrier und Fräulein Vizsla?

Einen großen Marsch am Samstagmorgen gab es noch, dann aber waren sie sich selbst überlassen. So wenigstens habe ich es gedanklich formuliert. Ich sah sie vor meinem inneren Auge: gelangweilt, ohne Ansprache, kein Leckerli zwischendurch. Sofort ging es mir noch schlechter.

Kurz gab ich mich der Illusion hin, sie könnten sich Sorgen um mich machen. Liest man nicht immer, dass Hunde als unsere besten Freunde mit mehr Empathie gesegnet sind als die meisten unserer engeren Verwandten? Dass sie dir in solchen Zeiten 1000fach zurückgeben, was du ihnen (vermeintlich) Gutes tust?

Ich guckte mich um. Kein Hund mit einem warmen Körnerkissen in der Schnauze, kein Hund mit der Schokoschüssel aus dem Wohnzimmer in der Nähe.

Mit diesen Gedanken - und allerlei Helferlein der Pharmaindustrie - rutschte ich ins Reich der Träume.

Eine gefühlte Ewigkeit später aufgewacht. Irgendwas schnarchte mir laut ins Ohr.

Und da waren sie, die beiden besten Freunde der Menschen.

Brunhilde im Bett. Neele auf ihrem Wölkchen davor. Tief (und laut) schlafend. Sie wirkten ausgesprochen relaxed.

Während ich mich fragte, wie es ein so lächerlich kleiner Hund schaffen kann, mich im Schlaf von meinem Kissen zu schubsen, ohne dass ich, die sonst die Flöhe husten hört, davon wach werde, bemerkte ich im Wohnzimmer ein Geräusch, das wir sonst gerne vermeiden: die Keksdose ging auf!

Klabautz! Hätte ich nicht schon die Familienpackung Voltaren und Ibuprofen gehabt, spätestens jetzt hätte ich sie gebraucht. Das gefräßige Bernsteinauge flog geradezu aus dem Schlafzimmer. Und der Spinner, dessen größte Angst es ja immer ist, etwas zu verpassen, hinterher. Schade nur, dass er für seinen fulminanten Start aus dem Bett sich mit seinen Pillefüßen und seinen Beinen, die ich ja immer gerne mit Trommelstöcken vergleiche, in meinem Gesicht abdrückte. Schwamm drüber. Ich war eh krank.

Beleidigt war ich ein wenig. Für einen Haferflockenkeks - oder zumindest die Aussicht darauf - wird man so schmählich verlassen.

Aber diese Erfahrung musste auch der Göttergatte machen: der Satz „Plätzchen sind alle“ war noch nicht ganz ausgesprochen, die Keksdose noch nicht ganz wieder geschlossen und diese undankbare Bande wendete sich ab vom Tisch, trottete zurück ins Schlafzimmer um es sich genau da wieder gemütlich zu machen, wo sie noch fünf Minuten vorher gelegen hatten. Ich gebe zu, dass ich zufrieden lächeln musste. Außerdem ersparte es mir den Gang in die Küche, um das Körnerkissen wieder aufzuwärmen. So ein Terrier ist besser als jede Wärmflasche.

Das gemütliche Bernsteinauge plumpste grunzend und wohlig seufzend auf´s NuboLito, der kleine Topterrorist stand an meinem Bett und machte dieses komische Geräusch, das nur er kann und das ich gar nicht beschreiben kann. Und was für mich die Aufforderung bedeutet, die Bettdecke zu heben.

Öhöh, öhöh… ich hörte Göttergatten irgendwas von „Kastratenkläffe“ murmeln… aha, man war also auch beleidigt. Es fiel der Satz „da weiß man ja, wo man steht“…

RICHTIG! Gut erkannt.

Ich schrieb es schon mehrfach:

diese wildromantischen Bildchen und Texte, die in Sachen Hund-Mensch-Beziehung so durchs Netz geistern, sind einfach verlogen! Schon vor langer Zeit habe ich hier mal festgehalten, dass man sich da nichts vormachen muss: für ein Stück Grillfleisch oder auch einen Haferflockenkeks würden sie dich an die Organmafia verkaufen. Und offensichtlich auch für die Poleposition im Schlafzimmer.

Worum machen wir uns nur immer so viel Gedanken? Sie waren schlicht glücklich mit diesem Tag Auszeit. Ganz offensichtlich genossen sie das faule Leben. Und natürlich auch den Keks zwischendurch.

Sie waren nicht aus überzogener Fürsorge bei mir. Da mache ich mir nichts vor. Sie waren schlichtweg chillig drauf. Lässig.

Das zweibeinige Personal (ja, so sehen die beiden mich, da bin ich mir sicher) hatte offensichtlich Pause. Und sie fanden es großartig. Haben nichts vermisst. Nicht meine gluckenhafte Fürsorge, keine wilden Spaziergänge am Nachmittag, keine Spielrunden mit Leckerli.

Es war gut so, wie es war!

Obwohl… das mit dem Körnerkissen bringen muss ich ihnen noch beibringen. Ich arbeite dran! Zu irgendwas muss die faule Bande ja gut sein!