Kontrolltermin bei der Dottoressa


Besuch in der Tierarztpraxis

Es war mal wieder so weit. Ein Besuch bei der allerbesten Tierärztin stand an. Nicht mit Herrn Terrier, wie man immer schnell vermuten kann, nein, Fräulein Vizsla war dran.
Das braune Reh hat, ihr wisst es, eine kleine „Beule“ an der linken Seite. Ein Umstand, der mich ja schon mal hysterisch werden lässt. Meine Lieblingsdottoressa nennt es gerne mal Fettknubbel. Sehr unschön. Und ich lasse ihr das auch nur durchgehen, weil bei mir jedes Mal die Erleichterung überwiegt, dass es nichts Ernstes ist. Fett… doch nicht mein Mäuschen!
Wie auch immer, wir haben vereinbart, dass ich regelmäßig mit Neele vorbeischaue, um abzuklären, dass es sich nicht verändert.
Gestern war es günstig. Ich habe eine WhatsApp geschickt, ob ich reinkommen kann und ob sie auch da ist.
Die Antwort kam prompt und lautete „Ja, aber ich bin ziemlich vergrippt“. Meine Bedenken, dass mein Bernsteinauge sich anstecken könnte, habe ich dann selbst schnell verworfen. Und der Gedanke, die liebe Kathrin zu sehen, war auch zu verlockend. Steht doch nach jeder Untersuchung immer noch ein kleiner Schwatz bei einem kleinen Zigarettchen auf dem Plan.
Auf ging´s. Neele an die Leine. Stoßgebete des Dankes in den Himmel, dass der beste aller Ehemänner zu Hause war und sich um den Brüllaffen kümmerte, der ausflippte, weil ER nicht mit durfte. Ein Traum. Ich konnte ihn noch zwei Häuser weiter hören.
Auf dem kurzen Fußweg zur Dottoressa habe ich mein Trinchen beruhigt. Dass Bruno es überleben wird, mal nicht mit zu dürfen. Dass sie es auch überleben wird. Und ich habe ihr erklärt, dass sie schon ein großes Mädchen ist und sich selbst anmelden kann. Vielleicht nicht so, wie der kleine Spinner das immer tut – laut, brüllend, ungeduldig - sondern ruhig und selbstbewusst.
Zu spät wurde mir bewusst, dass hinter mir noch jemand auf dem Bürgersteig war. Ich hoffte, dass er nur die Hälfte von meinem Gespräch mit Neele verstanden hat und ging hoch erhobenen Hauptes auf den Parkplatz der Praxis. Mit Vischels Selbstbewusstsein war es vorbei. Man produzierte schon draußen recht unelegante Lüllefäden.
Rein. Lieblingsdottoressa stand an der Anmeldung. Und mein brauner Mausezahn hat sich eigenständig angemeldet. Brav! Tapfer! Dass ausgerechnet sie kein Leckerli genommen hat, ließ tief blicken. Aber das konnte ja noch kommen.
Ich war erst mal froh, dass das heikle Thema „Waage“ nicht sofort anstand. Im Gegenteil. Wir waren noch nicht ganz im Behandlungszimmer, da konstatierte unsere Lieblingsveterinärin, dass Neele anscheinend viel Sport gemacht haben muss und abgenommen habe!
Jaaa!! Das ging runter wie Öl! Es ging gut los.
Neelchen war nervös. Ließ sich aber wie immer brav untersuchen. Und alles war gut. Dieses Ding da (ihr wisst schon) an ihrer linken Seite, der kleine Pigmentfleck an ihrem Auge… alles picobello. Und dann kam der Satz, der bei mir kurz die Stimmung schwanken ließ „oooh, Neele, wirst du alt?“.
Äh, bitte, was soll das denn heißen?
Mein entzückender Jungspund. Voller Energie und hin und wieder mit dem Benehmen eines Welpen. Alt??? Es wurde eine kleine Stielwarze“ entdeckt. Nie gehört. Zum Glück völlig harmlos.
Aber nur weil Neelchen leicht grau an der Schnüss wird und einen klitzekleinen Hautüberschuss (Warze ist so ein unschönes Wort) hat, festzustellen, dass sie alt wird??
Ich war kurz davor, die Dottoressa zu fragen, ob SIE damit hinkommt, einmal im Monat graue Strähnen zu übertünchen bis mir einfiel, dass sie diverse Jährchen jünger ist als ich. Also auf die Lippen gebissen und gelächelt. Mein Trost war, dass alles gut ist.
Und als merkte meine Madame, dass von mir alles abfiel, legte sie sich entspannt auf den Boden und freute sich über jeden, der ins Zimmer kam und ins Leckerliglas griff.
So entspannt kann Praxisbesuch auch sein.
Und ich war offensichtlich nicht die Einzige, die diesen Gedanken hatte. Kathrins Kollegin, die liebe Eltje, stellte en passant auch fest, dass Herr Terrier und Fräulein Vizsla ja wohl nicht unterschiedlicher sein könnten. Ich meinte, einen kleinen Anflug von Erleichterung in ihrem Blick zu sehen, dass heute mal nicht der autistische Hysteriker da war.

Ja, das ist wohl so. Sie könnten nicht unterschiedlicher sein. Nicht nur hier in der Praxis.
Und meistens macht genau diese Tatsache das Leben mit den Beiden so spannend.

Wie auch immer. Es war wieder so nett bei dir, liebe Kathrin! 😘
Gute Besserung und lass dich ganz bald bei uns blicken! Vor dir hat Bruno wenigstens Respekt. Ich erkläre ihm ja jedes Mal, dass du ihm an die … gegangen bist ...
Das wirkt nachhaltig!