Ein schwerer Tag


Ein schwerer Tag…

… gestern. Herr Terrier musste zum Tierarzt.
Und wenn ich sage, dass es ein schwerer Tag war, dann meinte ich jetzt FÜR MICH!!
Um es vorweg zu nehmen: der Meister war nicht krank und es war auch nichts passiert.
Er musste die Krallen geschnitten bekommen. Ja, ich muss es leider zugeben: bei unserem kleinen fauchenden, fletschenden und knurrenden Ungeheuer machen wir das nicht selber.
Ist es bei unserem herzallerliebsten Vischeltrinchen noch völlig unproblematisch, die Maniküre selbst durchzuführen, so ist das bei dem kleinen Spinner undenkbar.

Normalerweise erledigt das Brunos Friseurin. Festgehalten (und ich meine wirklich FEST) vom besten aller Ehemänner, muss Bruno das über sich ergehen lassen, wenn er ohnehin schon sauer ist, weil an ihm gerupft wurde. 
Nun war es aber ja so – ihr erinnert euch – dass Herr Terrier allein in den Salon musste. Dann ist an diese Prozedur nicht zu denken.
Leider wachsen seine Daumenkrallen „im Kreis“, was einen regelmäßigen Schnitt erforderlich macht, um ein Einwachsen zu verhindern.

Es ging kein Weg dran vorbei: die Lieblingsdottoressa Kathrin musste aufgesucht werden. Ihr alle wisst, wie gerne ich sonst zu ihr gehe, aber in diesem speziellen Fall mal lieber nicht. FESThalten kann nur einer bei uns wirklich gut.

8:45 Uhr. Der Termin stand. Nur eine Begleitperson. Ich musste zu Hause bleiben.
Und ich war nervös. Natürlich wusste ich, dass dbaE das Kind schon schaukeln würde… aber trotzdem.
Ich sehe meinen kleinen Spinner vor meinem geistigen Auge ja immer nicht nur fletschen und knurren, sondern gleich auch beißen und nicht wieder loslassen.
Und ich sehe ihn brüllend, mit Blut an den Krallen, mich natürlich suchend, mit aus dem Schädel quellenden Augen, verlassen, ängstlich… hach, ihr wisst schon.
Während ich die ganze Zeit bei zu viel Zigarettchen und Kaffee überlegte, unter welchem Vorwand ich mal schnell die drei Häuser weiter gehen könnte, um mal eben zu „gucken“, klingelte mein Telefon.
Im Display der beste aller Ehemänner.
OH GOTT… es war so weit. Bestimmt war etwas Furchtbares passiert. Mit Bruno. Mit der Dottoressa. Mit GöGa. Offiziell nenne ich natürlich eine andere Reihenfolge…
Mit einem schnellen „ja?“ gemeldet, war mein erster Gedanke: „ich höre nix. Kein Bellen. Kein Knurren.“ Aber ich kam nicht dazu, mir weitere Horrorszenarien auszumalen. 
DbaE teilte mir mit, dass er Brunos Impfpass auf dem Esstisch liegen lassen hatte. Ob ich ihn kurz rüberbringen könnte, schließlich könne man gleich alles in einem Aufwasch erledigen.
Jaaaaaa! Da war sie, meine Gelegenheit, schnell rüber zu huschen.
Ich war mir sicher, dass Schnubbibubbi froh war, mich noch zu sehen, bevor er zur Schlachtbank geführt wurde.

Und mal wieder wurde ich eines Besseren belehrt.
Die Beiden saßen in aller Ruhe vor der Praxis. Bruno guckte erstaunt, kurz gekläfft… das war´s.
Und das erwartete Geschrei, wenn ich wieder gehe, blieb auch aus. Im Gegenteil. Er war sofort ruhig, sobald ich vom Parkplatz runter und damit aus seinem Sichtfeld verschwunden war.
So ein Verräter! Komm du mir noch mal aufs Sofa oder ins Bett!!
Und mal wieder stand mein Vorsatz: 
ich mir Sorgen machen? Pah… nicht so schnell wieder!
Soll er sich seine verdammten Krallen doch abknabbern! 
ICH NICHT!!

P.S. Heute Abend muss ich mit Neele in die Praxis. Spritze. Impfen. Knubbel checken.
Ich bin total cool! Ganz lässig, ohne Sorgen, ohne die Nummer von Christoph II im Hinterkopf!
Wer bin ich denn? Helikopterfrauchen? ICH NICHT!